Flächentausch im Winninger Röttgen besiegelt

Der kommunale Flächentausch zwischen der Stadt Koblenz und der Weinbaugemeinde Winningen wurde mit der Unterzeichnung des Gebietsveränderungsvertrages am 21. August 2026 vollzogen. Der Flächentausch umfasst den Teil der Weinlage Röttgen, der bisher auf Koblenz-Gülser Gebiet lag und einen flächengleichen Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche auf Winninger Gemarkung in unmittelbarer Nähe des Koblenzer Stadtteils Güls-Bisholder.
Der Koblenzer Oberbürgermeister David Langner und Ortsbürgermeister Achim Reick unterzeichneten das Schriftstück bei einem Treffen oberhalb der bekannten Weinlage Winninger Röttgen. Für den Landkreis Mayen-Koblenz setzte Landrat Marko Boos und für die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel Bürgermeisterin Kathrin Laymann ihre Unterschriften unter das Dokument.
Der Grund für den Flächentausch liegt vor allem in einer weingesetzlichen Neuregelung zum Weinbezeichnungsrecht. Durch den Wegfall der sogenannten Leitgemeinden-Regelung müssen ab dem Weinjahrgang 2026 bei der Angabe einer Einzellage auf dem Etikett 85 % der Trauben sowohl aus der genannten Weinlage als auch aus der obligatorisch zu benennenden Gemeinde bzw. dem Stadtteil stammen.
Von der Lage Röttgen lag jeweils die Hälfte der Rebfläche auf Winninger und Koblenzer Gebiet. Bisher wurden alle hier erzeugten Weine mit der Bezeichnung der etablierten und anerkannten Spitzenlage (VDP 1. Lage) Winninger Röttgen auf den Markt gebracht. Sowohl die Winninger als auch die Gülser Winzer, die Besitz in der Lage Röttgen haben, wollen ihre Erzeugnisse weiterhin unter der Bezeichnung Winninger Röttgen auf den Markt bringen.
Michael Heisser, Amtsleiter in der Stadtverwaltung Koblenz, berichtete über die notwendigen Details im Vorfeld der Vereinbarung. Der Präsident des Weinbauverbandes Mosel, Walter Clüsserath, hatte vor einigen Monaten den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, David Langner, angesprochen und einen möglichen Gebietstausch vorgeschlagen. Das Amt für Stadtvermessung und Bodenmanagement der Stadt Koblenz übernahm die Federführung bei diesem Prozess, der einiges an kommunaler Verwaltungsarbeit erforderte.
Die jeweiligen politischen Gremien, der Stadtrat Koblenz, der Gemeinderat in Winningen sowie der Kreistag Mayen-Koblenz und der Verbandsgemeinderat Rhein-Mosel mussten ihre Zustimmung geben. Anschließend kam es zu einem Austausch von Verwaltungsvereinbarungen. § 10 Absatz 6 der Kommunalordnung regelt das Verfahren verwaltungstechnisch. Es handelt sich grundsätzlich um eine freiwillige Vereinbarung mit dem Übergang des Infrastrukturvermögens ohne Gegenleistung. Dabei spielt beispielsweise die Verkehrssicherungspflicht eine Rolle.
Die Antragsstellung zum Gebietstausch erfolgt über die Aufsichtsbehörde ADD in Trier. Es müssen hierbei Angaben zum Gemeinwohl gemacht werden, denn dies setzt die Möglichkeit eines kommunalen Flächentausches voraus. Ein wichtiges Argument ist die Wertigkeit der Weinlage Winninger Röttgen. Durch die Änderung dieser wertigen Weinbezeichnung ist eine Wertminderung mit den Auswirkungen auf Weinbergsflächenrückgang und Verlust der Weinkulturlandschaft zu rechnen.
Gerd Knebel, 1. Beigeordneter der Weinbaugemeinde Winningen, wies auf die große Bedeutung für die Winzerinnen und Winzer hin, die einzigartige Weinlage Röttgen in der Weinvermarktung mit der Lagenbezeichnung Winninger Röttgen zu erhalten: „Die Lage Winninger Röttgen ist eine ganz besondere und zählt sicherlich zu den besten Weinlagen im gesamten Anbaugebiet Mosel. Nach dem Uhlen, ist sie die zweite Lage, die in Winningen mit Einzellagenbezeichnung benutzt wurde und zwar schon im Jahre 1820.
Die Lage hat eine Süd bis Süd-Süd-Ost Ausrichtung.
Im Röttgen sind die Böden eher nährstoffreicher und enthalten sandig siltiges Schiefergestein der Rittersturz-Schichten. Viel Löß wurde vom oberen Hang nachgespült und hinunter in die Terrassen geweht. Beim reduktiven Weinausbau kommen die besondere Fruchtbetonung, die Feingliedrigkeit und das feine Säurespiel voll zur Geltung. Viele der oft 45 ° Steigung überwindenden Terrassen sind mittelgroß und mit hohen Mauern abgestützt. Die Rieslingreben finden hier ein ideales Mikroklima, feucht-warm und windgeschützt. All das ermöglicht eine ausgeglichene perfekte Traubenreife.
Die Riesling Trauben im Röttgen sind in der Regel am frühesten reif und haben die höchsten Mostgewichte, womöglich von der gesamten Mosel. In der Statistik der Erzeugergemeinschaft Deutsches Eck von 1985 bis 1996 weist der Röttgen als einzige Lage sogar in den geringeren Jahren wie 1987 und 1991 Spätlese-Mostgewichte auf, erreichte im guten Jahr 1993 im Durchschnitt den phänomenalen Wert von 104 Grad Öchsle. In neun von zwölf Jahren liegen diese Durchschnittsmostgewichte sogar über denen im Uhlen. Diese Tatsache und der Geschmackstyp prädestinieren die Weinlage Röttgen geradezu für edelsüße Riesling Spitzenweine größten Kalibers, auch im internationalen Vergleich“.
Die Beteiligten und Betroffenen, vor allem die Winzer im Röttgen sind froh, das Verfahren zum Gebietstausch im Winninger Röttgen und auf dem Berg bei Bisholder bis spätestens zur Traubenlese 2026 abgeschlossen zu haben. G.K.


